Meldung von der Pflegefront

40 Kirchliche, private, regionale und überregionale Pflegedienste - ihre Anzahl hat sich sich seit Inkrafttreten der 1. Stufe der Pflegeversicherung verdoppelt, stehen in Karlsruhe, einer Großstadt mit 280 000 Einwohnern, für Behandlungs- und Grundpflege zum Wohle der Pflegebedürftigen bereit, in enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten, so sollte man meinen.

Diese ähnelt beim näheren Hinsehen jedoch eher einem Clinch.

Nur Karlsruher Verhältnisse?

Hatte in der vorangegangenen Sitzung eines hausärztlichen Qualitätszirkels im Süden der Fächerstadt ein Kollege über offensichtliche Abrechnungsunregelmäßigkeiten eines Pflegedienstes berichtet, nahm dies beim nachfolgenden Treffen ein anderer zum Anlaß, sein Herz über seine leidvollen Erfahrungen auszuschütten. Der fortbildungsbeflissene Allgemeinarzt hatte erleben müssen, wie eine Sozialstation, von ihm selbst herbeigerufen, zur Durchsetzung ihrer unsinnigen Wünsche den Patienten hinterrücks einem sogenannten Spezialisten zuführte. Als der Name der diesbezüglich aktiv gewordenen Pflegekraft fiel, reagierte die Runde mit gequältem Gelächter: Den kannte man einschlägig. Mit "Hahn im Korb" charakterisierte einer der Teilnehmer das maskuline Gebaren des Pflegers. Eine Kollegin, die sich auch schon maßlos geärgert hatte, sah als Ursache eines solch dominanten Verhaltens das Fehlen weiblicher Kompetenz bei der betreffenden Sozialstation, wo eine Pflegekraft dem Ehemann einer Patientin schon mal Schläge angedroht hatte.

Dauerbrenner Pflegeterror

Eine Lachsalve über die als offenbar zutreffend empfundene Apostrophierung der leitenden Pflegekraft, die nicht zitierfähig ist, ließ für den Rest des Abends eine entspannte Atmosphäre aufkommen. Bei der nächsten Sitzung mit neuen Berichten von der Pflegefront wird es wieder ernst zugehen....

Bei einer Umfrage unter Karlsruher Hausärzten berichteten sämtliche Kollegen über erhebliche Probleme mit Pflegediensten, die als sehr belastend empfunden werden.

Einige typische Konfliktfelder:

 

Was tun?

Es ist zweifelsohne richtig, derlei Erlebnisse im Kollegenkreis zu diskutieren. Damit kann es aber nicht auch schon getan sein. Es sollte angestrebt werden, auf lokaler Ebene geeignete Strategien und Maßnahmen zu ergreifen, um dagegen anzugehen.

Ärztliche Qualitätszirkel sind ein geeigneter Rahmen für solches solidarisches Handeln, geht es dabei doch um nichts Geringeres als die Qalitätssicherung ärztlicher Anordnungen durch Pflegekräfte im ambulanten Pflegebereich.

Da die oben geschilderten Mißstände in jedem Falle den Patienten zum Nachteil gereichen und die Pflege verteuern, sind die Kranken- und Pflegekassen aufgefordert, Kontrollinstanzen einzurichten, die, dem VdaK im Ersatzkassenbereich ähnlich, Mißständen entgegenwirken können.

 

Strategien gegen Pflegeterror:

  1. Ärztliche Solidarität
  2. Wer glaubt, durch Nachgiebigkeit einen Marktvorteil zu erlangen,irrt und trägt zu dem unerträglichen Umstand bei, daß Pflegedienste Ärzte regelrecht gegeneinander ausspielen.
  3. Zusammenarbeit suchen
  4. Der Qualitätszirkel lädt Vertreter der Pflegedienste ein, um Konflikte zu besprechen.
  5. Schwarze Schafe nicht mehr einsetzen
  6. Der Hausarzt wird im Fall von Pflegebedürftigkeit nur kooperative Dienste empfehlen.
  7. Meldung an die Pflegekasse.